
Baumängel im Zwangsversteigerungsgutachten: was in 1.109 Gutachten steht und was es kostet
Baumängel im Zwangsversteigerungsgutachten: welche Schäden Gutachter am häufigsten nennen, wie hoch die Abschläge ausfallen und wie Sie Mängel richtig prüfen.

Was ist eine Immobilie in der Zwangsversteigerung wert? Öffentlich gibt es dazu Einzelfälle und Schätzungen, aber keine laufende Übersicht über alle Verfahren. Dieser Artikel wertet die Verkehrswerte von 2.780 anstehenden Terminen aus: nach Bundesland, nach Objektart, je Quadratmeter und nach Baujahr. Jede Zahl steht mit Stichtag, und am Ende steht, wie sie entstanden ist und wofür sie nicht taugt.
Der mittlere Verkehrswert liegt bei 175.000 Euro. Das ist der Median aus 2.780 anstehenden Zwangsversteigerungsterminen mit festgesetztem Verkehrswert an 407 Amtsgerichten in allen 16 Bundesländern. Die mittlere Hälfte der Objekte liegt zwischen 68.375 und 349.940 Euro. Zusammen stehen Werte von rund 921 Millionen Euro zur Versteigerung. Stand: 13.09.2026.
Klaava ist eine deutsche Plattform für Zwangsversteigerungstermine und erfasst die Bekanntmachungen und Gutachten der laufenden Verfahren bundesweit. Grundlage dieses Artikels sind 3.652 kommende Termine an 429 Amtsgerichten, von denen 2.780 einen festgesetzten Verkehrswert haben.
Der rechnerische Durchschnitt liegt bei 331.272 Euro und damit fast doppelt so hoch wie der Median. Das liegt an wenigen sehr großen Objekten: 115 Termine, also 4,1 Prozent, haben einen Verkehrswert von einer Million Euro oder mehr. Sie ziehen den Durchschnitt nach oben, ohne etwas über das typische Objekt zu sagen. Der Median ist der Wert, bei dem genau die Hälfte der Objekte darunter und die Hälfte darüber liegt.
| Verkehrswert | Termine | Anteil |
|---|---|---|
| unter 50.000 Euro | 552 | 19,9 Prozent |
| unter 100.000 Euro | 939 | 33,8 Prozent |
| ab 1 Million Euro | 115 | 4,1 Prozent |
Unter den günstigen Objekten sind viele Garagen, Grundstücke und Wohnungen in strukturschwachen Regionen. Ein niedriger Verkehrswert ist deshalb zuerst eine Frage nach dem Objekt, erst danach eine Chance.
Einfamilienhäuser haben in der Zwangsversteigerung einen mittleren Verkehrswert von 227.000 Euro, Eigentumswohnungen von 128.000 Euro. Am höchsten liegen Zweifamilienhäuser mit 283.000 Euro und Mehrfamilienhäuser mit 267.000 Euro. Grundstücke und Garagen liegen weit darunter. Grundlage sind 2.780 Termine mit Verkehrswert, Stand 13.09.2026.
| Objektart | Termine | Median | mittlere Hälfte |
|---|---|---|---|
| Einfamilienhaus | 850 | 227.000 Euro | 116.000 bis 381.500 Euro |
| Eigentumswohnung | 661 | 128.000 Euro | 62.000 bis 242.000 Euro |
| Mehrfamilienhaus | 308 | 267.000 Euro | 126.750 bis 491.000 Euro |
| Grundstück | 218 | 27.082 Euro | 7.788 bis 103.500 Euro |
| Zweifamilienhaus | 145 | 283.000 Euro | 150.000 bis 385.000 Euro |
| Doppelhaushälfte | 122 | 252.500 Euro | 127.500 bis 390.000 Euro |
| Gewerbe | 107 | 241.000 Euro | 57.450 bis 753.000 Euro |
| Reihenhaus | 91 | 263.000 Euro | 156.000 bis 371.500 Euro |
| Land- und Forstwirtschaft | 59 | 24.000 Euro | 5.000 bis 121.550 Euro |
| Garage | 41 | 14.000 Euro | 7.530 bis 35.000 Euro |
Die Spanne bei Gewerbe ist so breit, weil dort die kleine Ladeneinheit neben der Lagerhalle steht. Ein Median über diese Gruppe sagt wenig. Wie unbebaute Flächen bewertet werden, erklärt Grundstück in der Zwangsversteigerung.
Auf den ersten Blick widerspricht die Tabelle der Erwartung: Das Reihenhaus liegt mit 263.000 Euro über dem freistehenden Einfamilienhaus mit 227.000 Euro. Der Grund ist die Lage, nicht das Gebäude. Reihenhäuser stehen überwiegend in Städten und deren Umland. Freistehende Einfamilienhäuser kommen dagegen auch in ländlichen Regionen mit niedrigen Bodenpreisen zur Versteigerung, besonders in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Wer Objektarten vergleicht, vergleicht deshalb immer auch Regionen.
Hamburg und Berlin haben die höchsten mittleren Verkehrswerte, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt die niedrigsten. Zwischen Thüringen mit 58.200 Euro und Hamburg mit 624.000 Euro liegt fast der Faktor elf. Die meisten Termine hat Nordrhein-Westfalen mit 811, das sind 29,2 Prozent aller Termine mit Verkehrswert. Stand: 13.09.2026.
| Bundesland | Termine | Median gesamt | Median Einfamilienhaus | Median Eigentumswohnung |
|---|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 811 | 210.000 Euro | 310.000 Euro | 90.000 Euro |
| Bayern | 352 | 264.500 Euro | 335.000 Euro | 204.000 Euro |
| Hessen | 269 | 195.000 Euro | 227.000 Euro | 192.000 Euro |
| Niedersachsen | 242 | 171.000 Euro | 225.000 Euro | 100.000 Euro |
| Rheinland-Pfalz | 192 | 153.500 Euro | 200.000 Euro | 145.000 Euro |
| Sachsen | 147 | 71.000 Euro | 106.500 Euro | 64.250 Euro |
| Thüringen | 142 | 58.200 Euro | 88.000 Euro | zu wenige Fälle |
| Sachsen-Anhalt | 116 | 71.750 Euro | 67.600 Euro | zu wenige Fälle |
| Baden-Württemberg | 115 | 270.000 Euro | 368.000 Euro | 192.500 Euro |
| Brandenburg | 105 | 91.000 Euro | 175.050 Euro | zu wenige Fälle |
| Berlin | 81 | 430.000 Euro | zu wenige Fälle | 310.000 Euro |
| Mecklenburg-Vorpommern | 75 | 170.000 Euro | 239.000 Euro | zu wenige Fälle |
| Schleswig-Holstein | 60 | 216.500 Euro | 252.000 Euro | zu wenige Fälle |
| Saarland | 35 | 162.000 Euro | zu wenige Fälle | zu wenige Fälle |
| Hamburg | 28 | 624.000 Euro | zu wenige Fälle | zu wenige Fälle |
| Bremen | 10 | zu wenige Fälle | zu wenige Fälle | zu wenige Fälle |
Einen Median nennen wir erst ab 20 Terminen. Darunter kann ein einziges Objekt den Wert kippen. Die aktuellen Termine je Land stehen in der Übersicht nach Bundesland.
Beim Einfamilienhaus sind die Unterschiede zwischen Ost und West am deutlichsten. In Baden-Württemberg liegt der Median bei 368.000 Euro, in Bayern bei 335.000 Euro, in Thüringen bei 88.000 Euro und in Sachsen-Anhalt bei 67.600 Euro. Zwischen Bayern und Thüringen liegt damit der Faktor 3,8. Die Termine in Thüringen sammeln sich an kleineren Gerichten: Am Amtsgericht Rudolstadt stehen 34 Termine mit Verkehrswert an, im Median mit 31.000 Euro. Die laufenden Verfahren dort zeigt Zwangsversteigerungen in Thüringen.
Nordrhein-Westfalen hat mit 90.000 Euro einen niedrigeren Median für Eigentumswohnungen als Niedersachsen, obwohl der Median für Einfamilienhäuser mit 310.000 Euro fast so hoch ist wie in Bayern. Die Erklärung steht in einem einzigen Gerichtsbezirk. Am Amtsgericht Duisburg stehen 60 der 271 Eigentumswohnungen des Landes zur Versteigerung, mit einem mittleren Verkehrswert von 24.500 Euro. Am Amtsgericht Köln liegt derselbe Wert bei 250.000 Euro, allerdings bei nur 14 Wohnungen. Ein Landesmedian verdeckt solche Unterschiede. Wer in Nordrhein-Westfalen sucht, sollte nach Gericht filtern, etwa über Zwangsversteigerungen in Nordrhein-Westfalen.
Der mittlere Verkehrswert je Quadratmeter Wohnfläche liegt bei 1.803 Euro. Grundlage sind 783 Wohnobjekte, bei denen Verkehrswert und Wohnfläche im Datensatz stehen. Eigentumswohnungen liegen bei 1.965 Euro, Einfamilienhäuser bei 1.770 Euro und Mehrfamilienhäuser bei 1.045 Euro je Quadratmeter. Stand: 13.09.2026.
| Objektart | Objekte | Median je Quadratmeter | Median Wohnfläche |
|---|---|---|---|
| Eigentumswohnung | 256 | 1.965 Euro | 74 Quadratmeter |
| Einfamilienhaus | 286 | 1.770 Euro | 150 Quadratmeter |
| Mehrfamilienhaus | 106 | 1.045 Euro | 249 Quadratmeter |
| Zweifamilienhaus | 52 | 1.657 Euro | 194 Quadratmeter |
| Doppelhaushälfte | 48 | 2.033 Euro | 136 Quadratmeter |
| Reihenhaus | 35 | 2.209 Euro | 123 Quadratmeter |
Je Quadratmeter wird der Abstand zwischen den Ländern noch deutlicher. Aufgeführt sind die Länder mit mindestens 25 Wohnobjekten, für die eine Wohnfläche vorliegt:
| Bundesland | Objekte | Median je Quadratmeter |
|---|---|---|
| Berlin | 35 | 3.724 Euro |
| Bayern | 113 | 2.512 Euro |
| Hessen | 106 | 1.983 Euro |
| Nordrhein-Westfalen | 303 | 1.741 Euro |
| Niedersachsen | 71 | 1.523 Euro |
| Sachsen | 47 | 729 Euro |
| Thüringen | 27 | 528 Euro |
Ein Quadratmeter in Berlin hat damit rund den siebenfachen Verkehrswert eines Quadratmeters in Thüringen.
| Baujahr | Objekte | Median je Quadratmeter |
|---|---|---|
| vor 1949 | 224 | 1.099 Euro |
| 1949 bis 1978 | 298 | 1.892 Euro |
| 1979 bis 1994 | 89 | 2.166 Euro |
| 1995 bis 2009 | 63 | 2.182 Euro |
| ab 2010 | 58 | 2.702 Euro |
Altbauten vor 1949 liegen je Quadratmeter bei gut der Hälfte der Neubauten ab 2010. Dahinter stehen vor allem die kürzere Restnutzungsdauer und der höhere Sanierungsbedarf, den die Gutachter als Abschlag abziehen, zum Teil auch die Lage. Wie stark diese Abschläge ausfallen, zeigt Baumängel im Zwangsversteigerungsgutachten.
Der Verkehrswert ist die Schätzung eines Sachverständigen zu einem Stichtag, nicht der Preis, zu dem das Objekt versteigert wird. Das Meistgebot kann darunter oder darüber liegen. Im ersten Termin versagt das Gericht den Zuschlag unter 50 Prozent des Verkehrswerts (§ 85a ZVG), und ein Berechtigter kann ihn unter 70 Prozent versagen lassen (§ 74a ZVG).
Drei Gründe, warum der Wert aus der Tabelle nicht Ihr Preis ist:
Klaava erfasst heute die Verkehrswerte der anstehenden Verfahren, aber noch nicht die späteren Zuschlagspreise. Wie weit Zuschläge im Durchschnitt unter oder über dem Verkehrswert liegen, lässt sich aus diesen Daten deshalb nicht ablesen, und dieser Artikel behauptet es auch nicht.
Die Auswertung umfasst die Termine, die am 13.09.2026 in der Klaava-Datenbank als kommend geführt waren. Maßgeblich ist der vom Gericht bekanntgemachte Verkehrswert. Jeder Termin zählt einmal, Mediane stehen erst ab 20 Fällen. Die Quadratmeterwerte beruhen auf der Wohnfläche aus den ausgewerteten Gutachten.
Die Tabellen sind ein Maßstab, kein Preisschild. Sie zeigen, ob ein Verkehrswert für Region und Objektart auffällig hoch oder niedrig ist. Das Gebot selbst entsteht aus dem einzelnen Gutachten, den Nebenkosten und Ihrem Limit.
Wie viel kostet ein Haus in der Zwangsversteigerung im Durchschnitt? Ein Einfamilienhaus hat in den laufenden Verfahren einen mittleren Verkehrswert von 227.000 Euro, Stand 13.09.2026. Die mittlere Hälfte liegt zwischen 116.000 und 381.500 Euro. Der tatsächliche Zuschlagspreis kann davon abweichen.
Wie viel ist eine Eigentumswohnung in der Zwangsversteigerung wert? Der Median liegt bei 128.000 Euro aus 661 Terminen, je Quadratmeter bei 1.965 Euro. Die Spanne ist groß: Am Amtsgericht Duisburg liegt der mittlere Verkehrswert von 60 Wohnungen bei 24.500 Euro, in Berlin bei 310.000 Euro.
In welchem Bundesland sind Zwangsversteigerungen am günstigsten? In Thüringen mit einem mittleren Verkehrswert von 58.200 Euro, gefolgt von Sachsen mit 71.000 Euro und Sachsen-Anhalt mit 71.750 Euro. Am höchsten liegen Hamburg mit 624.000 Euro und Berlin mit 430.000 Euro. Grundlage sind 2.780 Termine, Stand 13.09.2026.
Bekommt man eine Immobilie in der Zwangsversteigerung unter Verkehrswert? Das ist möglich, aber nicht die Regel für jedes Objekt. Im ersten Termin versagt das Gericht den Zuschlag unter 50 Prozent des Verkehrswerts, und Berechtigte können ihn unter 70 Prozent versagen lassen. Ab dem zweiten Termin entfallen diese Grenzen.
Wie aktuell ist der Verkehrswert im Gutachten? Zwischen Wertermittlungsstichtag und Versteigerungstermin liegen in den laufenden Verfahren im Median 395 Tage. Der Wert beschreibt also meist die Lage von vor über einem Jahr und berücksichtigt spätere Schäden oder Marktveränderungen nicht.
Wie viele Zwangsversteigerungen gibt es in Deutschland? Am 13.09.2026 führte Klaava 3.652 kommende Termine an 429 Amtsgerichten in allen 16 Bundesländern. Die meisten davon liegen in Nordrhein-Westfalen mit 1.000 Terminen, gefolgt von Bayern mit 418 und Hessen mit 334.
Wie der Verkehrswert im Gutachten entsteht, erklärt Verkehrswert im Gutachten. Den vollständigen Ablauf beschreibt Wie funktioniert eine Zwangsversteigerung.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Rechtsberatung durch einen zugelassenen Rechtsanwalt.
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