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Räumung nach Zwangsversteigerung: Rechte als Ersteher und Vorgehen gegen Bewohner

Klaava Redaktion·18. April 2026·6 Min. Lesezeit

Rund 30 bis 40 Prozent aller Zwangsversteigerungsobjekte in Deutschland sind zum Zeitpunkt des Zuschlags noch bewohnt. Als Ersteher stehen Sie damit vor einer der häufigsten Herausforderungen im ZVG-Verfahren: Wie kommen Sie in das Objekt, wenn der bisherige Eigentümer oder Mieter nicht freiwillig auszieht?

Dieser Artikel erklärt die Rechtslage, den Ablauf einer Räumung und was Sie als Ersteher realistisch erwarten sollten.

Die Ausgangslage: Wer wohnt noch in der Immobilie?

Das Gutachten enthält in der Regel Angaben zur Nutzungssituation. Es gibt drei typische Szenarien:

Szenario 1: Der Eigentümer bewohnt das Objekt noch

Der bisherige Eigentümer hat durch den Zuschlag sein Eigentumsrecht verloren. Er ist ab diesem Moment rechtlich zur Herausgabe verpflichtet, verweigert aber häufig den Auszug aus persönlichen oder finanziellen Gründen.

In diesem Fall können Sie als Ersteher direkt einen Räumungsantrag beim Gericht stellen (§ 93 ZVG). Das Verfahren ist im ZVG vereinfacht geregelt: Sie benötigen keinen separaten Räumungstitel aus einem langwierigen zivilrechtlichen Verfahren.

Szenario 2: Ein Mieter mit bestehendem Mietverhältnis

Lautet das Mietverhältnis auf einen regulären Mietvertrag, gilt der Grundsatz "Kauf bricht nicht Miete" auch bei Zwangsversteigerungen. Der Ersteher tritt als neuer Vermieter in das bestehende Mietverhältnis ein (§ 566 BGB, § 57 ZVG). Der Mieter behält alle Rechte aus seinem Mietvertrag.

Eine Kündigung ist nur unter den regulären mietrechtlichen Voraussetzungen möglich: Eigenbedarf (§ 573 BGB), erhebliche Vertragsverletzungen oder wirtschaftliche Verwertung (§ 57a ZVG i.V.m. § 573 BGB).

Szenario 3: Sonderrecht der Zwangsversteigerung bei Mietverhältnissen

§ 57a ZVG gibt dem Ersteher das Recht, das Mietverhältnis zum nächstmöglichen Termin zu kündigen, wenn er das Objekt zur Verwertung benötigt oder es selbst nutzen will. Diese Kündigung ist jedoch an die üblichen Voraussetzungen des BGB geknüpft und erfordert einen anerkannten Kündigungsgrund.

Räumung des bisherigen Eigentümers: Der schnellere Weg

Rechtliche Grundlage: § 93 ZVG

Der Rechtspfleger des Amtsgerichts, das die Zwangsversteigerung durchgeführt hat, kann auf Antrag des Erstehers die Herausgabe des Grundstücks anordnen. Das erspart den Ersteher ein langwieriges Klageverfahren.

Voraussetzung: Der bisherige Eigentümer muss als Vollstreckungsschuldner im Verfahren geführt worden sein. Das ist bei Standardverfahren fast immer der Fall.

Vorteil: Das Verfahren nach § 93 ZVG ist erheblich schneller als eine normale Räumungsklage. In der Praxis dauert es oft 4 bis 12 Wochen bis zur Vollstreckung durch den Gerichtsvollzieher.

Ablauf im Detail

  1. Antrag beim Amtsgericht auf Herausgabeanordnung gemäß § 93 ZVG stellen
  2. Gericht erlässt Herausgabeanordnung
  3. Ersteher stellt Vollstreckungsauftrag an den Gerichtsvollzieher
  4. Gerichtsvollzieher setzt Räumungstermin an und informiert den Schuldner
  5. Zwangsräumung am festgelegten Termin

Kosten: Gerichtsvollzieherkosten (abhängig vom Aufwand), ggf. Einlagerungskosten für hinterlassene Gegenstände des Schuldners.

Räumung eines Mieters: Der aufwändigere Weg

Gegen einen Mieter mit regulärem Mietvertrag ist der § 93 ZVG-Weg in der Regel nicht möglich. Hier gelten die normalen mietrechtlichen Regeln.

Kündigung bei Eigenbedarf

Wenn Sie die Immobilie selbst nutzen möchten, können Sie nach dem Erwerb wegen Eigenbedarfs kündigen (§ 573 BGB). Voraussetzungen:

  • Sie oder eine privilegierte Person (Familienmitglied) wollen die Wohnung tatsächlich nutzen
  • Die Kündigung muss begründet und schriftlich erfolgen
  • Die Kündigungsfristen betragen 3, 6 oder 9 Monate, abhängig von der Mietdauer

Wichtig: Eigenbedarf muss real sein. Vorgetäuschter Eigenbedarf ist strafbar und führt zu Schadensersatzpflichten.

Kündigung wegen wirtschaftlicher Verwertung (§ 57a ZVG)

§ 57a ZVG gibt dem Ersteher das Sonderkündigungsrecht. Voraussetzung ist, dass die Nutzung als Mietobjekt die angemessene wirtschaftliche Verwertung erheblich beeinträchtigt. Das ist ein hoher Maßstab, der in der Praxis selten erfüllt ist.

Reguläre Räumungsklage

Zieht der Mieter trotz wirksamer Kündigung nicht aus, muss der Ersteher Räumungsklage beim Amtsgericht einreichen. Das Verfahren dauert in streitigen Fällen 3 bis 9 Monate, in besonders belasteten Gerichten länger. Kommt ein Urteil, folgt die Vollstreckung durch den Gerichtsvollzieher.

Gesamtzeitrahmen bei streitigem Mietverhältnis: 6 bis 18 Monate sind realistisch einzuplanen.

Welche Kosten entstehen beim Räumungsverfahren?

PositionTypischer Betrag
Anwaltskosten (Kündigung + Klage)1.000 bis 4.000 Euro
Gerichtsgebührenabhängig vom Streitwert
Gerichtsvollzieher200 bis 2.000 Euro
Einlagerung hinterlassener Gegenstände100 bis 1.000 Euro
Entgangene Miete während VerfahrenMonatliche Miete × Monate
Gesamtvariabel, 3.000 bis 15.000 Euro möglich

Diese Kosten müssen in die Gebotskalkulation eingerechnet werden. Erwerben Sie ein bewohntes Objekt, kalkulieren Sie einen Räumungspuffer von 5.000 bis 15.000 Euro je nach Ausgangslage.

Wie erkennt man die Bewohnungssituation im Gutachten?

Das Gutachten enthält Angaben zur Nutzungssituation zum Zeitpunkt der Besichtigung durch den Sachverständigen. Achten Sie auf folgende Formulierungen:

FormulierungBedeutung
"Zum Zeitpunkt der Besichtigung leerstehend"Wahrscheinlich weiter leer beim Termin
"Vom Eigentümer bewohnt"Räumungsrisiko nach § 93 ZVG (schneller)
"Vermietet, Mieter: [Name], Mietbeginn: [Datum]"Reguläres Mietrecht, aufwändigere Kündigung
"Besichtigung verweigert"Hohes Unbekanntheitsrisiko, Vorsicht
"Teilweise vermietet, teilweise leer"Gemischte Situation, einzelne Einheiten prüfen

Präventivstrategie: Bewohnungsrisiko vor dem Gebot einpreisen

Professionelle Investoren kalkulieren das Räumungsrisiko systematisch:

  1. Gutachten lesen und Bewohnungssituation identifizieren
  2. Räumungsaufwand abschätzen (Eigentümer: einfacher, Mieter: komplexer)
  3. Räumungskosten und entgangene Mieteinnahmen schätzen
  4. Abzug vom Maximalgebot vornehmen

Faustregel: Bei bewohntem Objekt mit unsicherer Räumungssituation: Abzug von 3 bis 8 Prozent des Gebots als Räumungspuffer.

Häufige Fragen zur Räumung nach Zwangsversteigerung

Wie schnell muss der bisherige Eigentümer ausziehen? Es gibt keine gesetzliche Frist. Er muss "unverzüglich" ausziehen, was rechtlich "ohne schuldhaftes Zögern" bedeutet. In der Praxis läuft ohne Druck wenig. Der Ersteher muss aktiv werden und den § 93 ZVG-Antrag stellen.

Kann ich den Eigentümer sofort nach dem Zuschlag heraussetzen? Nein. Erst nach dem Zuschlagsbeschluss und erteiltem vollstreckbarem Titel läuft das Räumungsverfahren. Das dauert einige Wochen.

Was passiert mit dem Mobiliar des ehemaligen Eigentümers? Hinterlassene Gegenstände müssen vom Gerichtsvollzieher eingelagert werden. Die Kosten trägt zunächst der Ersteher als Antragsteller, hat aber Regressansprüche gegen den Schuldner.

Muss ich dem Mieter eine neue Kündigung aussprechen, auch wenn bereits eine lief? Ja, als neuer Eigentümer müssen Sie in aller Regel eine eigene Kündigung aussprechen. Eine bereits laufende Kündigung des Voreigentümers kann unter Umständen weiterwirken, das hängt vom Einzelfall ab. Lassen Sie sich anwaltlich beraten.

Kann ich die Räumungskosten steuerlich absetzen? Bei Kapitalanlageimmobilien sind Räumungskosten Werbungskosten. Bei selbstgenutzten Immobilien sind sie grundsätzlich nicht absetzbar.


Was Sie über das Bieten im Versteigerungssaal wissen müssen, erklärt Erfolgreich bieten bei Zwangsversteigerungen. Eine vollständige Übersicht der Risiken finden Sie in Zwangsversteigerung: Risiken und Chancen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Rechtsberatung durch einen zugelassenen Rechtsanwalt.

Klaava

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